Montag, 12. Juni 2017

I am (an) Ironman




Falls ich es jemandem noch nicht auf die Nase gebunden habe: ICH BIN EIN IRONMAN !!!

Jepp, ich habe es tatsächlich geschafft, fast 6 Stunden Qualen, Hitze und nervige Mitbewerber überlebt... Und dies in (für meine Verhältnisse) nicht mal schlechter Zeit.


2015









2017






Das heisst also, ich bin ca. 23 1/2 Minuten schneller als vor 2 Jahren gewesen... Dabei war ich viele Kilo schwer als damals, es war noch heisser als vor 2 Jahren (und das will was heissen) und auch meine Vorbereitung war irgendwie nicht ganz so ideal wie vor 2 Jahren...
Wie ich schon diverse Mal erwähnt habe, ist die Pläuschler-Dichte bei einem Ironman extrem klein...

Weil man nebst viel Training auch viel Material braucht, das ist nicht wie bei einem Marathon, wo man nur einen Laufschuh braucht, um zu schauen, ob man das Abenteuer Marathon irgendwie überlebt... Es hat viele Top-Athleten am Start, es hat Weltmeister(innen), Olympiateilnehmerinnen, Schweizer-Meister und andere Vollverückte dabei... Und das Dickerchen aus Chur :)))

Aber von Anfang an:

Eigentlich hätte Klein-Armon am Samstag ein Schwingfest gehabt. 5:45 Uhr aufstehen, Richtung Niederwil, dann für mich Richtung Rapperswil um meine Startnummer zu holen und das Rennrad einzuchecken, wieder Richtung Niederwil um Abend spät in Chur zu sein um am nächsten Tag wieder um 05:45 aufzustehen... Aber es kam anders :))



Einmal mehr bewahrheitete sich das alte griechische Sprichwort "Schwinger sind keine Fussballspieler", denn Klein-Armon verletzte sich am Donnerstag in der Schule beim "Tschutten", Finger am Arsch, Schwingkarriere für ca. 3 Wochen ausgesetzt und somit hiess es am Samstag für mich und Klein-Armon 09:00 Uhr aufstehen, langsam Richtung Rapperswil, in aller Ruhe einchecken, zurück nach Chur und den ganzen Nachmittag aktive Erholung => Switch spielen vor dem TV :))))

Am Sonntag dann um 06:00 Uhr aufstehen und ab nach Rapperswil mit der ganzen Familie.... 2 Stunden vor dem Start noch etwas übers Gelände geschlurft und beim Infozelt den Zettel "Wetsuit obligatory" => kein Problem, habe ich ; sowie den zweiten Zettel "Long arms and legs" gesichtet => Problem, habe ich nicht!!! Ein neuer Neopren musste also her!!!

Es hatte zwar Shops auf dem Startgelände, aber die öffneten erst um 09:00 Uhr....
Mein Start war um 09:12 Uhr.... Hmmm... wirklich ein Problem....

In diesen Momenten dankte ich dem Herrgott und meiner jahrelangen Sport-Touristen-Erfahrung, :)) Während andere sich jeweils einwärmen, sich gewissenhaft aufs Rennen vorbereiten, dehnen und die Strecke nochmals durchgehen, sieht man mich meist noch mit Flipflop durch die Gegend watscheln und mir ein Energy-Milch-Drink genehmigen... 12 Minuten würden doch locker fürs Umziehen und den Gang an den Start genügen, oder nicht??
Der Neopren-Shop machte dann sogar um 08:45 Uhr auf, genug Zeit um noch ein paar Fotos mit Tochter Ahu zu schiessen :)))



Als ich am Abend den Neopren zurückbrachte und dem Fachmann im Shop meine Schwimmzeit erzählte, konnte er die Zeit fast nicht glauben... Er habe gedacht ich sei ein Vollknaller, der einen Spass mit ihm machen will, ca. 25 Minuten seelenruhig vor dem Start noch auf der Suche nach einem passenden Neopren... Ihr seht, ich werde immer unterschätzt, hahaha....

Vor 2 Jahren war das Schwimmen (eigentlich meine "Paradedisziplin") nicht gerade meine stärkste Stunde der Triathlon-Karriere... Ich sprang ins kalte Nass und hatte extrem Mühe mit der Atmung.. Bekam Panik und jappste ein paar Minuten vor mich hin, auf der Suche nach einem Helferboot.. Da keines da war zog ich meinen Neopren aus und schwamm mit dem Neopren an den Füssen baumeln die fast 2 km...



In diesem Jahr hüpfte ich mit einem mulmigen Gefühl als Letzter der 361 Athleten meiner Alters-Kategorie ins Wasser und wartete richtiggehend auf die Panik... Aber nichts kam... Aus einem 2er-Kraul-Rhythmus (2Kraul, Luft, 2Kraul, Luft, ...) wurde ein lockerer 3er-Rhyhmus, welcher sich zeitweise sogar zum entspannten 4er-Rhythmus wandelte... Schlussendlich überholte ich 34 Minuten lang meine Mitbewerber und schloss das Schwimmen als 63igster von 361 Gestarteten ab... (ingesamt 457igster von 2500 Athleten)... Klasse Leistung... Von mir aus hätten wir auch noch die ganze Strecke zurückschwimmen können....

Dann aufs Rennrad... Büäh, es war bereits beim Start heiss... Nach 5 Kilometern war meine Kleidung nach dem Schwimmen wieder trochen!!! 2 Runden à 45 Kilometer, 1100 Höhenmeter und fast alles in der prallen Sonne... Sonnenbrand, ich komme...
Ich bin alles andere als ein begnadeter Rennrad-Fahrer... Zu schwer, zu wenig Rennkilometer (einmal auf Glarus, insgesamt 100 Trainingskilometer in diesem Jahr, das musste reichen) und im Gegensatz zu den andern ein Rennrad 5. Klasse... Aber ja, auch das habe ich überlebt....


Rennrad der andern

Mein Rennrad

Dann vom Rennrad gehüpft (gequält), die Laufschuhe an und Jubelschreie Richtung Himmel.. Endlich meine Paradedisziplin... Fast 1000 Trainingskilometer, 20 Marathon- oder Ultramarathon hinter mir, alles würde jetzt ein reines Schau-Laufen und Geniessen werden... Büäh... falsch gedacht... Mittlerweile 32 Grad.. und jetzt noch ein Halbmarathon... Scheisse, dumme Idee!!!

Bei Kilometer 2 hatte ich schon so schwere Beine dass ich das Laufen verfluchte... Bei Kilometer 10 überlegte ich mir wie ich ohne Ausreden zum Rennen aussteigen kann (soll ich mich vertreten, vielleicht extra in den See stolpern, einen Sonnenstich simulieren??) bei Kilometer 12 suchte ich verzweifelt eine Abkürzung (leider ist die Zeitmessung so positioniert, dass dies nicht möglich ist), und ab Kilometer 16 kann ich mich nur noch an "sich übergebende" Mitläufer erinnern... Im Halb-Dilirium wackelte ich Richtung Ziel entgegen, lauf fluchend "so einen Scheiss mache ich niiiiiiie mehr mit!!!"...



Wie erwähnt war ich am Schluss über 23 Minuten schneller als vor 2 Jahren... In allen Disziplinen konnte ich mich steigern und der Schlussrang von 1347 von rund 2500 find ich mehr als in Ordnung, wenn man sieht, wer so alles am Start war...

So, jetzt gilt es den Sonnenbrand (aka. Verbrennungen) zu heilen und danach wird die weitere Triathlon-Karriere geplant :))))

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen